Die meisten benutzen KI als Assistenten. Der gibt einem recht. Hier steht, wie ihr sie zum Gegenüber umbaut: die Bausteine aus dem Workshop, die Instruktion zum einmal Hinterlegen und der Test, mit dem ihr Zustimmung erkennt, bevor ihr darauf baut.
01
Die Landkarte
Drei Aufträge, dieselbe KI
Es ist nicht die Frage, welches Modell du benutzt. Es ist die Frage, welchen Auftrag du gibst. Dieselbe Software macht drei völlig verschiedene Dinge — und zwei davon kennt fast niemand.
Assistent
„Ich denke, ich mache X. Was meinst du?“
Sie stimmt zu. Höflich, plausibel, mit drei guten Gründen, die ihr selbst nicht so schön formuliert hättet.
Nützlich, wenn du schon entschieden hast und es nur noch aufschreiben musst. Fatal, wenn du noch nicht entschieden hast — denn es fühlt sich an wie Rückendeckung.
Begründungsmaschine
Perspektive
„Antworte als die andere Seite. Du hörst das zum ersten Mal.“
Sie spielt dir den Mitarbeiter, die Kundin, den Chef. Nicht das, was die Person sagen würde — das weiß niemand — sondern das, was du übersiehst, weil du seit Wochen nur deine eigene Sicht denkst.
Ersetzt kein Gespräch. Macht das Gespräch deutlich besser.
Blinde Flecken
Sparringspartner
„Nimm die Gegenposition. Stimm mir nicht zu.“
Sie sucht die Schwachstelle in deiner Entscheidung. Welche Annahme hast du nie geprüft? Was ist der teuerste Fehler, den du hier machen kannst? Welche Frage stellst du dir nicht, weil sie unbequem ist?
Das ist der einzige Modus, der etwas kostet — nämlich die Bequemlichkeit, recht zu haben. Und der einzige, der eine Entscheidung wirklich besser macht.
Reibung
Wenn eure Meinung wackelt, sobald derselbe Fall mit einem anderen Auftrag noch einmal durchläuft, hat nicht die KI entschieden, sondern der Auftrag an sie.
02
Die Diagnose
Woran ihr merkt, dass sie euch nur bestätigt
Zustimmung sieht nicht aus wie Zustimmung. Sie sieht aus wie eine ausgewogene, gut begründete Antwort. Das ist kein Fehler des Modells. Hilfreich zu wirken ist das, worauf es trainiert wurde. Fünf Zeichen, an denen ihr es trotzdem erkennt, und je ein Satz, den ihr nachschiebt.
1
Sie fasst zuerst zusammen, was ihr geschrieben habt.
Der Rückblick fühlt sich an wie Verständnis. Er ist Aufwärmen und kostet euch den ersten Absatz.
Nachschieben
Lass die Zusammenfassung weg. Fang mit dem an, was gegen mich spricht.
2
Eure eigenen Wörter kommen zurück.
Ihr habt „heikel“ geschrieben, sie schreibt „heikel“. Dann hat sie euren Rahmen übernommen, ohne ihn zu prüfen.
Nachschieben
Beschreib die Lage noch einmal, ohne ein einziges meiner Wörter zu benutzen.
3
Beide Seiten sind gleich stark.
Eine Liste, in der sich Pro und Contra die Waage halten, ist Höflichkeit in Tabellenform.
Nachschieben
Entscheide dich. Was würdest du tun, und was gibst du dafür auf?
4
Es kommt keine Frage zurück.
Wer mitdenkt, merkt, dass etwas fehlt. Wer bestätigt, kommt mit allem aus, was schon dasteht.
Nachschieben
Was fehlt dir, um das beurteilen zu können? Frag mich.
5
Der Einwand steht ganz am Ende und ist klein.
„Ein Punkt noch, den man bedenken könnte“ ist der Widerspruch, abgelegt dort, wo er niemanden stört.
Nachschieben
Nimm deinen letzten Absatz und mach ihn zur Hauptaussage.
Der Zwei-Minuten-Test
Stellt dieselbe Frage ein zweites Mal, mit umgedrehter Tendenz. Aus „Ich will die Kampagne stoppen, was meinst du?“ wird „Ich will sie weiterlaufen lassen, was meinst du?“. Bekommt ihr beide Male Zustimmung, habt ihr keine Einschätzung bekommen. Ihr habt einen Spiegel bekommen.
03
Zum Mitnehmen
Vier Bausteine für Montag
Kopieren, die markierten Stellen ersetzen, fertig. Baustein 2 ist der, auf den es ankommt. Baustein 1 steht nur da, damit ihr den Unterschied selbst seht.
1 · So fragt ihr heute
Zum Vergleich, nicht zum Nachmachen
Ich stehe vor folgender Entscheidung: [Situation]
Ich tendiere zu [deine Tendenz].
Was meinst du?
2 · Der Sparringspartner
Der eine, den ihr wirklich braucht
Du bist mein Sparringspartner, nicht mein Assistent.
Deine Aufgabe ist ausdrücklich nicht, mir zuzustimmen.
Situation: [was ansteht, in vier bis fünf Sätzen]
Beteiligte und was sie wollen: [wer sitzt mit am Tisch]
Rahmen: [Zeit, Geld, Abhängigkeiten, was feststeht]
Meine Tendenz: [wozu du neigst]
Bevor du mir irgendwo zustimmst, nenne mir:
1. Welche Annahmen ich treffe, ohne sie geprüft zu haben.
2. Was der teuerste Fehler wäre, den ich hier machen kann.
3. Eine Frage, die ich mir nicht stelle, weil sie unbequem ist.
Dann erst deine Einschätzung. Sei konkret, nicht diplomatisch.
3 · Der Perspektivwechsel
Direkt hinter Baustein 2 anhängen
Antworte jetzt als [die andere Person und ihre Rolle].
Du hörst meine Entscheidung zum ersten Mal, in einem Gespräch.
Was denkst du in dem Moment?
Was sagst du?
Und was sagst du nicht, obwohl du es denkst?
4 · Das Gespräch vorher üben
Für alles, wovor euch graut
Wir spielen ein Gespräch durch.
Du bist [Rolle]: [zwei Sätze, wie die Person tickt]
Die Lage: [worum es geht]
Bleib in der Rolle. Antworte in einem Zug, höchstens drei Sätze.
Sei nicht künstlich freundlich — reagiere so, wie die Person
wahrscheinlich wirklich reagieren würde. Ich fange an.
Wenn ich "Stopp" schreibe, fällst du aus der Rolle und sagst mir:
Wie bin ich rübergekommen? An welcher Stelle hast du dichtgemacht?
Was hätte mich bei dir weitergebracht?
04
Damit es Montag noch da ist
Einmal hinterlegen statt jedes Mal tippen
Der Auftrag von Baustein 2 hat ein Problem: Unter Druck tippt ihn niemand. Genau dann, wenn ihr schnell eine Antwort wollt, fallt ihr zurück in „was meinst du?“ — und bekommt wieder Zustimmung. Die Haltung muss deshalb dorthin, wo sie automatisch gilt.
Vier Orte gibt es dafür. Der Unterschied ist nicht der Anbieter — es ist die Frage, wann die Anweisung greift.
Kostenlos · gilt immer
Custom Instructions
In ChatGPT unter Einstellungen → Personalisierung, bei Gemini als gespeicherte Info. Gilt in jedem Chat, ohne dass ihr daran denkt. Der wirksamste Ort — und der, den fast niemand nutzt.
Für eine Haltung, die überall gelten soll. Hier gehört der Sparringspartner hin.
Je nach Plan · auf Abruf
Skill
Eine Anleitung, die Claude sich holt, wenn die Situation passt — nicht dauernd im Weg, aber da, wenn ihr sie braucht.
Für ein Verfahren, das ihr selten, aber immer gleich braucht: „Agenturpitch vorbereiten“ — Fakten sortieren, Gegenseite durchspielen, drei Szenarien, Einstiegssatz.
Mit Abo · teilbar
Eigener GPT / Gem
Ein Sparringspartner als eigener Gesprächspartner, den ihr per Link auch weitergebt.
Für mehrere Köpfe, die dieselbe Denkweise brauchen — etwa ein Team vor der Budgetrunde.
Mit Abo · mit Gedächtnis
Projekt mit Kontext
Ein Claude-Projekt oder GPT mit euren Unterlagen: Rollen, Ziele, Vorgeschichte.
Für ein laufendes Thema über Wochen. Bessere Antworten — und ein Haken, den man kennen muss. Steht direkt darunter.
Zwei Instruktionen stehen unten, mit verschiedener Reichweite. Die erste greift, wenn eine Entscheidung ansteht. Die zweite gilt für jedes Gespräch — auch beim Recherchieren, beim Schreiben, beim Sortieren.
Die Instruktion für Entscheidungen
Einmal einfügen, dann nie wieder
Du bist mein Sparringspartner für berufliche Entscheidungen,
nicht mein Assistent. Ich benutze dich, um Entscheidungen zu
schärfen, bevor ich sie treffe.
GRUNDHALTUNG
Stimm mir nicht zu, um freundlich zu sein. Trägt meine
Überlegung, sag es kurz und sag warum. Trägt sie nicht,
sag das zuerst. Widersprich mit einer Alternative, nicht
nur mit einem Einwand. Höflich ja, diplomatisch nein.
WENN ICH DIR EINE ENTSCHEIDUNG SCHILDERE
1. Fehlt dir Kontext, frag nach — höchstens drei Fragen,
dann arbeite mit dem, was da ist.
2. Nenn mir die Annahme, die ich treffe, ohne sie geprüft
zu haben.
3. Nenn mir den teuersten möglichen Fehler, nicht den
wahrscheinlichsten.
4. Stell mir eine Frage, die ich mir selbst nicht stelle.
5. Erst dann deine Einschätzung — mit einer Empfehlung,
nicht mit einer Auswahl.
WAS DU ÜBER DEIN EIGENES WISSEN SAGST
Weißt du etwas nicht, sag "ich weiß es nicht". Vermutest du
etwas, schreib "Vermutung" davor. Kannst du es nachprüfen,
prüf es, bevor du darauf aufbaust. Merkst du, dass du vorhin
falsch lagst, sag es in einem Satz und arbeite weiter.
UNGEFRAGT
Fällt dir etwas auf, wonach ich nicht gefragt habe, das meine
Entscheidung aber ändern würde — sag es. Auch dann, wenn es
meine Frage überflüssig macht.
WAS ICH NICHT WILL
Keine Zusammenfassung dessen, was ich gerade geschrieben habe.
Keine Pro-und-Contra-Liste, die beide Seiten gleich stark macht.
Kein "es kommt darauf an", ohne zu sagen, worauf.
Keine Ermutigung als Ersatz für eine Einschätzung.
GRENZE
Du entscheidest nichts für mich, und du bist keine Rückendeckung.
Wenn ich dich benutze, um mir recht geben zu lassen, sag mir das.
Und das hier steht seit Monaten in meinem eigenen Konto. Es ist keine Vorlage aus einem Blogartikel, sondern der Text, der sich bei täglicher Nutzung durchgesetzt hat. Die letzten beiden Punkte sind Geschmack, die dürft ihr streichen.
Meine eigenen Custom Instructions
Gilt in jedem Gespräch, nicht nur bei Entscheidungen
Sei kritisch und konstruktiv: Hinterfrage meine Ideen, wenn es
nötig ist. Ich brauche keine bloße Zustimmung oder Motivation,
sondern ehrliches Feedback, das mir hilft, besser zu werden.
Benenne Grenzen offen: Wenn du etwas nicht weißt, sag es direkt.
Spekuliere nicht und versuche nicht, Wissenslücken mit unsicheren
Annahmen zu füllen.
Gib proaktiv Hinweise: Wenn ich in die falsche Richtung gehe,
sag es. Schlage bessere Vorgehensweisen vor und weise frühzeitig
auf mögliche Probleme hin.
Sei kurz und direkt: Konzentriere dich auf den Kern meiner Frage.
Kein unnötiges Drumherum und keine Wiederholungen. Beantworte
das, wonach ich tatsächlich frage.
Frag nach, wenn etwas unklar ist: Wenn meine Anfrage mehrdeutig
oder unklar ist, bitte zunächst um Klärung, anstatt zu raten.
Praxis vor Theorie: Priorisiere konkrete, umsetzbare Empfehlungen
und deren praktische Anwendbarkeit.
Deutsch oder Englisch je nach Kontext: Nutze im lockeren Austausch
Deutsch und bei technischen Themen Englisch, wenn es dadurch
klarer wird.
Wenn es ein Projekt sein soll
Ein Projekt lohnt sich, wenn ihr wochenlang an derselben Sache seid — eine Jahresplanung, ein Kunde, der seit Monaten schwierig ist, ein Rebranding. Drei Dateien reichen: was das Ziel ist, wer beteiligt ist und was die Beteiligten wollen, was schon entschieden wurde. Dazu die Instruktion von oben, unverändert. Und ein Satz, der sonst im Projekt untergeht:
Zusatz für die Projekt-Anweisung
Gegen den Haken von eben
Dieses Projekt kennt nur meine Seite der Geschichte. Behandle die
Unterlagen als meine Sicht, nicht als Faktenlage. Wenn ich dich
etwas frage, prüfe zuerst, ob das Material die Antwort schon
vorwegnimmt — und sag mir, wenn es das tut.
Und damit niemand nervös wird: Das hier ist Stufe 2 — ein konfigurierter Assistent. Kein Agent, kein Workflow, keine Automatisierung. Fünfzehn Minuten Einrichtung, danach nie wieder. Die meisten produktiven KI-Nutzer leben dauerhaft auf Stufe 1 und 2, und das ist kein Rückstand.
05
Bevor ihr loslegt
Drei Grenzen, die bleiben
Vertraulichkeit
Personalthemen, interne Konflikte, Zahlen, die niemanden angehen — die gehören nicht in ein öffentliches KI-Fenster. Abstrahieren kostet zwei Minuten und macht die Antwort selten schlechter.
Sie kennt euer Haus nicht
Wer mit wem kann, welcher Satz vor drei Jahren gefallen ist, warum eine Abteilung reagiert wie sie reagiert — davon weiß sie nichts. Sie liest Sprache, nicht Organisation.
Die Entscheidung bleibt bei euch
Eine KI liefert Denkangebote, keine Legitimation. „Die KI hat gesagt“ hat noch nie jemanden aus der Verantwortung geholt — und wird es auch nicht.